Kompostierbar, biologisch abbaubar, recycelbar: drei Aussagen
Biologisch abbaubar sagt, dass sich ein Material irgendwann zersetzt, nennt aber weder Frist noch Bedingung — technisch sind die meisten Kunststoffe abbaubar. Kompostierbar heißt: Umwandlung zu Kompost in definierter Zeit, unter definierten Bedingungen, ohne toxischen Rückstand, messbar gegen eine Norm. Recycelbar heißt: wieder zu Rohstoff werden.
Die drei nebeneinander
Warum 'biologisch abbaubar' nichts aussagt
Der Begriff enthält keine Zeitgrenze. Ein Material, das sich über fünfhundert Jahre zersetzt, ist technisch abbaubar. Genau deshalb wird seine isolierte Verwendung in der EU zunehmend eingeschränkt: ohne Bindung an eine messbare Norm liest sich die Aussage als Greenwashing.
Was Kompostierbarkeit voraussetzt
Die meisten Zertifikate setzen eine industrielle Anlage voraus: rund 58 Grad, kontrollierte Feuchte, regelmäßige Belüftung. Fehlt diese Anlage vor Ort, landet das Produkt auf der Deponie und der Vorteil entfällt. Die Aussage beschreibt also Produkt und Infrastruktur zusammen.
Warum Recycling ein eigener Strom ist
Ein kompostierbarer Artikel im Papierrecycling kann die Ballenqualität senken. Beide können nicht in dieselbe Tonne, und ein Wechsel zu kompostierbaren Produkten ohne getrennte Sammlung bringt nicht das, wofür er gemacht wurde.
Unregulierte Begriffe
'Öko', 'grün', 'umweltfreundlich' und 'naturnah' sind rechtlich nicht definiert. Ein technisches Datenblatt, das sich auf diese Wörter stützt, ersetzt in einer Beschaffungsakte kein Zertifikat.
Häufige Fragen
- Was war oxo-abbaubar?
- Kunststoffe mit einem Additiv, das den Zerfall beschleunigt. Die EU-Einwegkunststoffrichtlinie hat sie verboten: das Material zerfällt, wird aber zu Mikroplastik statt zu Biomasse.
- Kann ein Produkt beides sein?
- Technisch ja, praktisch kann Abfall nur in einen Strom. Die Aussage trägt nur in der Richtung, in der Ihr Betrieb tatsächlich sammelt.
Zuletzt aktualisiert: 2026-09-13






